Interview mit Veronika Rössl von Yoga Journal

“Alles, was wir brauchen ist in uns”


Andrea Huber von yogajournal/yogaworld  
21. Januar 2020

 

 

Bereits als Kind machte sie Yoga und Meditation. Sie sprach mit Engeln und entwickelte eine kindliche und unbewusste Spiritualität. Später flog die junge Frau als Stewardess um die Welt, studierte BWL, verkaufte 50.000 Euro Luxusuhren und fand dann ihre Bestimmung als Yogalehrerin. Uns hat Veronika Rössl erzählt, wie ein einschneidendes Ereignis sie zum Yoga führte und warum der einzig sichere Ort in uns selbst ist.

 

Liebe Veronika, ich würde gerne mit deiner ganz persönlichen Beziehung zum Yoga beginnen.

 

Mit Yoga bin ich aufgewachsen und es hat mir wahrscheinlich mein Leben gerettet. lacht….Auf jeden Fall saß ich als Kind schon täglich in Hanumanasana und auch die Königskobra war mein bester Freund. Ich konnte meine Zehen mit der Zunge berühren und habe Yoga einfach nur geliebt. Ich hatte mir ganz selbständig eine eigene Yoga-Reihe mit Strichmännchen auf einen Zettel gemalt, die ich mit einer Freundin zusammengestellt hatte und diese übte ich dann täglich nach der Schule auf dem Boden vor meinem Schreibtisch auf einer dicken grünen Matte aus Stoff. Und wenn ich in irgendeiner spooky “Verrenkung” war, rief ich meine Schwestern ins Zimmer, die immer sehr erschrocken waren. Ich hatte also viel Spaß und weiß aber auch noch, dass ich es gemocht habe dran zu bleiben, wenn es wo zog oder mal schwierig war. Das fiel mir übrigens erst wieder bei meiner Yogalehrer-Ausbildung in 2002 ein, dass ich als Kind schon Yoga geübt hatte, als wir die Königskobra geübt haben. Damals hatte ich dieses Dèja-vu und es ist mir wie Schuppen von den Augen gefallen, da ich gar nicht wusste, dass das Yoga war und dass man eine bestimmte Reihe übt.

 

 

Es steckte also bereits unbewusst in dir drin. Generell bist du ein sehr intuitiver und spiritueller Mensch. Waren Spiritualität und Meditation schon immer Teil deines Lebens?

 

Ich habe schon als Kind meditiert. Ich saß ewig ruhig da und starrte auf einen Punkt. Meine Mutter fand es komisch und auch eher bedenklich, ließ mich aber machen. Es war irgendwie in mir und tat mir gut. Heute würde ich sagen, meine Seele kannte all das schon. Und dann suchte sie sich ein spannendes zu Hause aus: mit einer römisch-katholischen Religionslehrerin als Mutter und einem Mathematiker und Physiker als Vater. So bin ich mit Spiritualität und Quantenphysik aufgewachsen. Beides war mir später bei meiner Yogalehrer-Ausbildung daher auch nicht wirklich fremd und es fiel mir leicht, alles zu verstehen.

 

Du hast also als Kind bereits unbewusst Yoga gemacht und meditiert. Hattest du damals noch andere kindliche Zugänge zu deiner Spiritualität?

 

Als Kind habe ich immer mit meinen Engeln gesprochen – sie waren immer um mich und haben mir “Rat” gegeben, in einer gewissen Form ist das auch heute noch so. Heute bezeichne ich diese Helfer nicht mehr unbedingt als Engel, sondern eher als Universelle Kraft oder Höheres Wissen, mit der ich mich verbinde. Manche nennen es auch die Akasha Chronik öffnen. Ich meditiere regelmäßig seit 30 Jahren. Energiearbeit, Spiritualität, Meditation und Yoga sind die Tools in meinem Leben, die ich am meisten liebe und nahezu täglich in irgendeiner Form anwende. Ich wollte früher sogar bei Sivananda in den Mönchsorden eintreten und als Kind wollte ich Nonne werden. Ich konnte an keiner Kirche, Synagoge oder Moschee vorbei gehen, ohne sie zu betreten. Hinduistische Tempel liebe ich ganz besonders und die vielen schönen Götter und auch Tiere, die so einen Tempel schmücken, erfüllen und erheben mich sehr. Ich bin aber genauso weltlich und lebe beides. Ich habe mich dazu entschlossen, Spiritualität in einer “weltlichen” Form weiterzugeben, so wie es heutzutage denke ich auch wichtig ist. Alles miteinander zu gleichen Teilen zu verbinden, empfinde ich als meinen Weg.

 

Wie sieht denn dein Weg in Sachen Yoga-Routine aus? Hast du einen Lieblings-Flow, eine Lieblings Asana ?

 

Ich beginne den Tag mit Energiearbeit, noch im Bett oder sitzend am Boden. Ich durchströme mit Licht meinen physischen und meinen Astralkörper, reinige meine Chakren bis ins 12. Chakra hinein, baue mir Licht auf und Schutz. So gegen Mittag oder am frühen Nachmittag übe ich seit einigen Jahren Ashtanga primary series für mich in Selbstpraxis. Ashtanga übe ich übrigens nicht, weil ich es so besonders mag, sondern weil ich da aus meiner Komfortzone gehe und Kraft aufbauen muss oder darf. Ich überwinde meine inneren Widerstände und das Bedürfnis es nur angenehm und easy zu haben.

 

Das heißt du setzt dich bewusst mit deinen Defiziten auseinander?

 

Gummipuppe war ich ja von Haus aus schon immer und Spagat war my middle name. Deshalb übe ich das, was ich zum Ausgleich brauche: Kraft und Selbstdisziplin. Dadurch hat sich meine Flexibilität leider erstmal verschlechtert. Aber genau das ist Yoga für mich: Auch damit klar zu kommen und zu beobachten, was diese Erfahrung mit einem macht. Sehr spannend!

 

Und ja, da gibt es nach wie vor Asanas in der ersten Serie Ashtanga, bei denen ich froh bin, wenn sie vorbei sind. Etwa wenn ich am Ende nochmal für 10 Atemzüge in Utpluthih gehe. Wenn ich es dann allerdings mache, ist es gar nicht so schlimm. Es sind eher die Gedanken davor. Das ist der Weg in eine bewegte Meditation und Bereinigung hinderlicher Gedanken. Wie gesagt: Das ist Yoga für mich.

 

Gibt es Asanas, die du nicht so gern magst?

 

Generell kann man sagen, dass ich es nicht mag, einzelne Asanas gezielt zu üben, um sie zu können. Das habe ich noch nie gemacht, es ist mir total fremd und nicht mein Verständnis von Yoga. Deshalb übe ich nie den Handstand für mich. Etwas in mir lehnt diese Handstandpraxis auch generell ab. Auch wenn ich ihn selber kann, was ich dann merke, wenn ich ihn in Stunden vormache. Denn tatsächlich gehört er im Yoga schon auch dazu und ich möchte ihn keinem meiner Schüler vorenthalten.

 

Was ist dir denn im Umgang mit deinen Schülern sonst noch wichtig?

 

Ich sage in meinen Stunden immer einen homogenen Mix aus fließenden, statischen, herausfordernden aber auch sehr sanften Asanas an. Mir ist wichtig, dass jeder in der Gruppe an seine Grenzen kommt und diese eventuell ein bisschen verschiebt und somit einen neuen Impuls für sich mitnimmt. Aber auch, dass jeder wirklich entspannen kann und viel Ruhe und Gelassenheit selbst in herausfordernden Asanas gespürt wird. Generell ist mir immer schon sehr wichtig, dass das Fühlen von Emotionen, des Körpers, der Umgang mit sich und auch anderen im Raum im Vordergrund steht. Das Üben auf der Matte fürs richtige Leben – so bezeichne ich das gerne.

 

Wie sollen deine Schüler das Üben auf der Matte denn im Leben umsetzen?

 

Sie sollen lernen zu beobachten, ob sie in den Asanas, die herausfordernd sind, trotzdem ruhig und gelassen weiter atmen können. Genauso sollen sie aber auch in ruhigen Asanas im Fokus und im Moment bleiben und nicht beginnen über das Essen danach nachzudenken. Mir ist es wichtig, Anspannung und Entspannung als Einheit zu vermitteln, damit man im Alltag besser mit stressigen Situationen umgehen kann und selbst lernt, gewisse Verhaltensmuster mit der Zeit zu verändern. Für den einen ist es eher schwierig auch mal etwas zu wagen, für den anderen tatsächlich ruhig zu liegen und zu entspannen. Beide Aspekte sind wichtig im Leben und das üben wir auf der Matte.

 

In der Gruppe versuche ich alle gleich zu behandeln und habe keine “LieblingsschülerInnen”, auch wenn ich natürlich manche schon über sehr, sehr viele Jahre kenne. Ich versuche überall zu helfen, aber auch jeden sein zu lassen, wenn ich spüre, dass das eher verunsichern würde, wenn ich permanent meinen Senf zu allem gebe und zu viel adjuste. Leben und leben lassen ist mein Motto. Ich mag es selbst gar nicht, wenn jemand zu streng ist in den Stunden und hoffe, dass ich das nicht bin, auch wenn meine LehrerInnen alle so waren.

 

 

Veronikas Yoga-Stunden findest du hier.

 

Hast du dich deswegen entschieden Yogalehrerin zu werden, um es selbst anders zu machen?

 

Ich hatte die Yogalehrer-Ausbildung 2002 einfach nur für mich gemacht gehabt, weil ich Yoga geliebt habe. Ich hatte die Zeit und das Geld – es waren ja vier Wochen am Stück gewesen, das geht ja auch nicht immer. Ein einschneidendes Erlebnis hat mich erstmal eher zu Buddhismus und Transpersonalen Techniken gebracht, unabhängig von meinen frühen Erfahrungen als Kind. Ich hatte mit Anfang Zwanzig mal ein ganzes Jahr extreme körperliche Schmerzen und erhöhte Temperatur und konnte nicht arbeiten. Da mir die Schulmedizin nicht helfen konnte und mir nach zwei Monaten in Großhadern noch immer niemand sagen konnte, wie man das, was ich hatte, behandelt und ich mit Betablockern und ganz vielen extremen Pharmaka vollgestopft wurde, hatte ich mich dann auf den Weg des alternativen Heilens gemacht.

 

Dadurch habe ich viele der ganzheitlichen alternativen Heiltechniken, die ich heute auch anbiete, eine nach der anderen ausprobiert. Da mich dann das Meiste ein Stück heiler gemacht hatte, habe ich eine Ausbildung nach der anderen in diesen Fachrichtungen gemacht.

 

 

Wie genau kamst du in dieser Zeit mit dem Buddhismus in Berührung?

 

Ein damaliger Freund hat mich zu einem “Buddhistischen Seminar” in ein Ökumenisches Zentrum mitgenommen, da ich ihm erzählte, dass ich mich für Buddhismus interessiere. Das war Anfang der 90er Jahre noch nicht wirklich üblich. Yoga & Co. waren alles andere als trendy. Ich dachte, es wäre ein Einstiegsseminar. Herausgestellt hat sich dann, dass es ein “Zen-Sesshin”, also ein Schweigeseminar von 10 Tagen war: die strengste Form der Meditation mit täglich ca. 8 Stunden Sitzmeditation und 2,5 Stunden Gehmeditation – und immer schweigen. Beim Essen durfte man sich nicht ansehen und eine Stunde Karma Yoga pro Tag war Pflicht. Das war für ein junges Mädchen eine recht heftige Erfahrung, aber auch sehr prägend und heilsam. Als ich dann später noch Pranayama im Yoga kennengelernt und das viel gemacht habe, bin ich vollkommen gesund und schmerzfrei geworden.

 

Und wie passen dein Job als Stewardess und dein BWL-Studium zu deinem sehr spirituellen Yogaweg? Die Kombination klingt ja erst einmal ungewöhnlich.

 

BWL und Marketing habe ich schlichtweg aus Interesse gemacht. Ich hatte BWL, Rechnungswesen, Psychologie und VWL schon in der Schule und fand alles sehr spannend. Das Thema meiner Diplomarbeit war “Gründung eines Yoga-Centers mit Hauptmerkmal auf Produkt- und Kommunikationsmix” worin ich ganz viele Ideen ausgearbeitet habe. Später habe ich die dann auch realisiert. Der Yoga Markt war damals überschaubar. Es gab nur Iyengar, Sivananda und ein drittes Studio in der Nähe des Hauptbahnhofs (Anm. der Redaktion: in München). Claim und Logo hatte ich mir selbst erarbeitet. Auch das gesamt Konzept mit Preisen und verschiedenen Themen innerhalb der Stunden wie Yoga für Schwangere oder Rentner, die es damals mit diesen Kartenformen und auch diesem Stundenplan noch gar nicht gab.

 

Dann hat dir die wirtschaftliche Ausbildung auf dem Weg zum eigenen Yoga-Studio sogar geholfen?

 

Ja, das hat mir natürlich sehr bei der Gründung des Yoga-Studios geholfen. Ich weiß, wer ICH bin, wer meine Zielgruppe ist und ich kenne den Markt seit bald 20 Jahren. Ein innerer Konflikt kam eher daher, da man bei Sivananda immer sagte, wir sollen für Yoga kein Geld verlangen. Das war dann moralisch schwierig, etwas zu verlangen. Einerseits musste ich ja die Miete zahlen. Andererseits wollte ich den Unterricht als Karmadienst am Nächsten, also als selbstloses Dienen ohne etwas zu erwarten, weitergeben. Ein ziemlicher Spagat, der mit viel Arbeit an meinen Überzeugungen und erlernten Einstellungen verbunden war.

 

 Und mit dem Job als Stewardess hast du deine Ausbildungen finanziert?

 

Stewardess wollte ich nur ein Jahr machen, bin dann aber hängen geblieben. Sobald es ging flog ich in Teilzeit. So konnte ich viele meiner Aus- und Fortbildungen in Yoga, Meditation und Energie- & Heilarbeit, den Kommunikationstechniken nebenher gut machen. Ich denke, der Job hat mir geholfen, den notwendigen Weitblick und Akzeptanz für die unterschiedlichsten Menschen zu bekommen. Während dieser Zeit habe ich eine sehr gute Menschenkenntnis entwickelt, zumal mich Menschen und ihre Verhaltensmuster immer schon sehr interessiert haben.

 

Alles hat ineinander gegriffen …

 

Rückblickend haben mich alle meine Ausbildungen und Berufe für die Dienstleistung am Menschen vorbereitet und mir beim Aufbau meines Yoga-Studios geholfen. Dazwischen war ich ja noch einige Zeit beim Bayerischen Fernsehen als Fernsehjournalistin tätig und hatte danach auch noch die Marketingleitung von drei Shopping Centern in Berlin. Dort hatte ich in den Fitnesscentern überall Yoga eingeführt, um dann einzusehen, dass mir Yoga unterrichten am meisten Spaß macht. Also beschloss ich, nur noch das zu machen, was zu hundert Prozent meiner inneren Berufung entsprach. Der Rest ist seit 2002 … history.

 

Klingt so, als würde dir deine Arbeit als Yogalehrerin sehr viel bedeuten?

 

Yoga mit all seinen Aspekten hat mich geheilt und hilft mir noch immer gesund durch den Alltag und mein Leben zu kommen. Auf allen Ebenen, für Körper, Geist und Seele. Das, was mich gesund gemacht hat und mir noch immer sehr im Alltag hilft, gebe ich weiter. Das war der Grund warum ich das MahaShakti Yoga-Studio gegründet habe. Es ist sehr erfüllend einen Beruf zu haben, den man einerseits als Berufung empfindet und man andererseits Menschen eben auch helfen kann. Meine Schüler verlassen die Stunde dankend und mit einem Lächeln. Ich weiß, sie haben gerade in diesen 90 Minuten einen enormen Mehrwert für sich selbst erhalten. Denn Yoga hilft wirklich gesund zu werden und zu bleiben.

 

Stimmt, Yoga ist da ein echtes Allround-Talent und hält dich mental und körperlich in Balance.

 

Das höchste Gut ist ja Gesundheit und es ist so sinnvoll da hinein zu investieren. Ich hatte früher ja auch andere Jobs. Viele haben mich krank gemacht oder ich empfand die Arbeit als nicht ehrlich. Ich konnte zum Beispiel sehr gut teure Uhren verkaufen, das habe ich auch mal ein halbes Jahr gemacht. Letztendlich finde ich sie auch faszinierend, aber am Ende des Tages macht es keinen langfristig glücklich. Weder eine 50.000 EUR teure Uhr zu verkaufen, noch tatsächlich so Uhr zu besitzen. Vielleicht stolz, aber erfüllend ist es nicht. Es wird niemals dieses Gefühl bringen, in dem wir in der Meditation, Yoga oder Heilarbeit ankommen können.

 

Wo du davon sprichst: Du bist in Heilarbeit, Craniosacraler Therapie und Schamanismus ausgebildet. Entstand der Bezug dazu auch durch deine Krankheit?

 

Genau. Viele Ausbildungen habe ich bedingt durch die Erfahrung meiner Krankheit mit Anfang 20 aus Interesse gemacht, weil es mir einfach selbst sehr geholfen hat. Vor allem auch Systemsiches Familienstellen, was ich in meine Einzelsessions mit einfließen lasse. Aber auch in der Cranio und Heilarbeit. Dieses Wissen hilft mir auch im Yoga-Unterricht und vor allem auch bei der Leitung des Studios. Manche Ausbildungen haben sich auch dadurch ergeben, dass ich in den Yoga-Privatsessions den Impuls verspürt habe, jemanden an bestimmten Stellen zu berühren, dort still zu bleiben und einzuspüren. Ich bemerkte, dass sich da etwas verändert beim Menschen. Ich bekam dann immer die Rückmeldung, dass genau dort ein massives körperliches Problem war und es sich leichter anfühlte. Da ich dann immer gefragt wurde, wie das heißt, was ich da mache und ich keinen Namen dazu hatte, habe ich mich erkundigt und war dann recht erstaunt, dass es so etwas wie Craniosacrale Therapie und die Arbeit an Chakren gab.

 

Veronikas Heilarbeit und die Möglichkeit Termine zu buchen findest du hier.

 

 

Du hast sozusagen unbewusst bereits verschiedene Heilmethoden angewandt …

 

Ich hatte Farben der Chakren bei einer gegenübersitzenden Person mit geschlossen Augen in Yoga Privatstunden gesehen und dann intuitiv an den Chakren gearbeitet. Dieser Kunde hatte mir dann ein Buch von Leadbeater gezeigt und ich war ein wenig erschrocken, denn ich hatte genau diese Farben gesehen. Das alles ist ja 20 Jahre her. Da konnten nur wenige Menschen etwas mit diesen Themen anfangen, zumindest in meinem Umfeld.

 

Dein Leben hat dich scheinbar immer wieder auf einen ganz bestimmten Weg geführt.

 

Ja, das kann man wirklich so sagen. Und: Am Ende des Tages ist für mich alles Yoga. Runtergebrochen kommen wir mit all diesen Techniken, Sichtweisen und Heilarbeiten immer wieder bei der gleichen Erkenntnis an: Alles, was wir brauchen ist in uns. Unser wahres Sein fühlt sich glücklich, zufrieden, gelassen, kraftvoll, heil, licht und voller Liebe an und wir sind verbunden mit einem höheren Wissen. Egal ob im Buddhismus, in der Sikh Tradition, im Yoga Advaita Vedanta, in der Cranio, im Schamanismus, im Systemischen Familienstellen oder in anderen Religionen. Dieses Wissen um diese Gleichheit in all ihrer unterschiedlichen Herangehensweise ist für mich von großer Bedeutung.

 

Ich kann mir vorstellen, dass du all das auch in deinen Unterricht mit einfließen lässt.

 

Ja, das mache ich. Menschen sind unterschiedlich und brauchen einen unterschiedlichen Approach. Da ich ja auch viele Kommunikationstechniken und NLP (Anm. der Redaktion: Neuro-Linguistisches Programmieren) gelernt habe, kann ich das alles gut mit einfließen lassen. Man spricht da oft von einem “Abholen” des Menschen: Der eine mag es berührt zu werden, der andere will lieber in Ruhe gelassen werden oder braucht mehr verbale Anweisungen. Durch die vielen unterschiedlichen Ausbildungen weiß ich sehr gut, wie ich wen am besten erreiche und lasse das intuitiv in eine Gruppenstunde, ein Seminar oder einen Workshop mit einfließen.

 

Du bietest unter anderem Yoga-Retreats an. Oft entsteht auf diesen Reisen eine intensive Verbindung zwischen Menschen, die sich vorher nicht kannten. Woran liegt das?

 

Momentan mache ich gar nicht so viele Retreats, aus Mangel an Zeit. 2020 nur zwei Retreats – vielleicht 2021 wieder mehr, mal sehen. Aber aus Gründen der Umweltbelastung mag ich auch nicht mehr so viel fliegen, so gerne ich auch in Indien, Bali und in ganz Europa unterrichtet habe. Und ja, Yoga verbindet – in der Kombination mit schönen Orten, wo man zur Ruhe kommt und den Alltag loslassen kann, ist man ja besonders offen zu reflektieren und sich mit anderen auszutauschen. Auch bei mir sind viele Freundschaften auf Retreats entstanden. Oder auf Reisen, die ich geleitet habe. Man hat einfach Zeit, die Seele baumeln zu lassen und so entspannt kann man sich eben gut austauschen. Ich versuche auch immer in meinen Retreats, Workshops, Seminaren und Yoga-Stunden Freude zu vermitteln. Das macht sich dann auch in der Stimmung innerhalb der Gruppe bemerkbar macht. Abgesehen davon sind Menschen, die Yoga machen, auch meistens sehr weltoffen und interessiert an anderen. Das ist zumindest meine Erfahrung.

 

Die Termine und mehr Infos zu Veronikas Retreats im Vigilius Mountain Resort findest du hier.

 

Dann trifft das vermutlich auch auf die Selbsterfahrungs- und Bewusstseinsseminare zu, die du anbietest? Warum brauchen wir gerade jetzt diese heilbringenden Techniken in unserem Leben?

 

Die Welt befindet sich im Wandel und wir sehen alle, wie sich die Schatten und “das Dunkle” immer mehr zeigen und auch der Klimawandel rapide voranschreitet. Vor zwei Jahren hatte ich eine Weissagung und Antwort der Q‘eros gehört, das sind die Nachfahren der Inkas in Peru. Auf die Frage, wie es mit der Erde weitergehen wird und ob wir den Klimawandel und die dramatischen Auswirkungen wie starke Hitze mit Feuer, aber auch Dürre und dann wiederum massive Regenfälle mit Überschwemmungen und Artensterben aufhalten oder wieder in eine andere Richtung lenken können. Die Q‘eros lesen ihre Antworten aus getrockneten Blättern und sagen in Verbindung mit Panchamama, der Erde, ihre Weissagungen. Sie meinten damals, die Erde hätte bereits begonnen sich zu bereinigen. Sie würde sich befreien von allem, was für sie Ballast ist und man könnte es nicht mehr aufhalten oder umkehren. Es wäre noch bis vor 20 Jahren möglich gewesen, diesen Prozess aufzuhalten.

 

Oh das klingt düster. Was hätte passieren müssen?

 

Damals hätte man dramatisch etwas verändern müssen und sich weltweit darüber einig sein. Aber nachdem das nicht geschehen ist, wird die Bereinigung wohl nicht mehr aufzuhalten sein. Die Q‘eros meinten, der einzig wirklich sichere Ort wird in uns selbst sein. Dafür sollten wir Sorge tragen, dass wir immer mehr in unserer Mitte ankommmen, unser Herz öffnen und ein schönes Miteinander finden. Und um auf deine vorherige Frage zurückzukommen: Deswegen brauchen wir heilbringende Techniken und deshalb nenne ich diese Seminare auch “Dive Deep Into Yourself“.

 

Und wie sollen wir dieses Miteinander finden?

 

Die Q‘eros sagten, dass wir lichtvolle Gemeinschaften und Gruppen bilden und uns darin üben sollten, immer lichtvoller und stabiler in uns und im Umgang mit anderen zu werden. Ich hatte davor schon den Impuls gespürt, verstärkt Seminare mit Heilarbeit für kleine Gruppen anzubieten. Ich habe den Eindruck, dass im Yoga der körperliche Aspekt, die Asanas, in den letzten Jahren immer mehr im Vordergrund steht. Insofern möchte ich einfach auch all den anderen Aspekten von Yoga verstärkt Raum geben. Deshalb biete ich drei Wochenendseminare mit verschiedenen Themen an, wo wir Meditationen, Visualisierungen, heilsame Techniken für Körper, Geist & Seele aus der Transpersonalen Psychologie, der Buddhistischen Psychologie und dem Schamanismus üben werden.

 

Das klingt fordernd aber auch sehr spannend. Wie muss ich mir das vorstellen?

 

Wir machen gezielt Übungen, bei denen sich so manch hinderliche Überzeugungsmuster und negative Emotionen auflösen. Die Teilnehmer bekommen auch Tools als Handwerkszeug mit, damit sie auch zu Hause das eine oder andere weiter für sich anwenden können. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, wie heilsam es ist, sich mit Gleichgesinnten von Gedankenspiralen zu befreien. Spiralen, die uns selbst und anderen nicht guttun. Es ist erstaunlich wie sehr sich dadurch das Leben zum Positiven verändern kann.

 

Die Termine und mehr Infos zu Veronikas Dive Deep Into Yourself Seminare findest du hier.

 

Denkst du, dass deine Vielschichtigkeit in Bezug auf Yoga, Heilarbeit und Spiritualität auch der Grund ist, warum die Schüler in deinen Unterricht und in dein MahaShakti Yoga Studio kommen?

 

Ich versuche einfach immer mein Bestes zu geben und bei all meinen Entscheidungen, in erster Linie an die Menschen zu denken, die ins MahaShakti zum Yoga kommen. Mir ist wichtig, dass alle Yogalehrer und Yogalehrerinnen in meinem Studio herzlich, freundlich und bodenständig sind, Yoga und Meditation in ihr Leben integrieren, eine eigene regelmäßige Praxis haben und sich regelmäßig fortbilden. Ich will, dass es einfach um Yoga geht. Nicht viel sonstiger Schnick-Schnack, keine Ankündigungen von allen möglichen sonstigen Dingen, die man noch kaufen könnte. Die Menschen sollen einfach nur Yoga machen dürfen und nach der Stunde ohne Ablenkung mit dieser Energie nach Hause gehen können.

 

Ist das das Geheimnis deines Erfolgs? Dein Studio wird ja immer wieder zu den besten 10 in München und sogar in Deutschland gewählt. Yoga pur und sonst nichts?

 

In der Presse wurde über mich geschrieben, dass ich Vorreiterin für Yoga in München war. Auch, dass ich als erste Frau ein Studio gegründet habe, wobei mir fremd war, dass man heutzutage noch das Geschlecht erwähnen muss. Da stand auch, dass ich als erste Lehrer und Lehrerinnen aus unterschiedlichen Traditionen unter einem Dach vereine und wir als erstes Yoga-Studio “all level” Stunden angeboten habe. Vielleicht ist es das, dass ich alles wirklich aus einem persönlichen Impuls heraus mache – ohne dabei viel nach links und rechts zu schauen und mich an anderen orientiere.

 

Dann zahlt sich Authentizität am Ende aus?

 

Ich glaube, Authentizität und Kreativität zahlen sich immer aus: Es geht darum, genau das Konzept zu finden, das zu einem selbst, seinem Team und seiner Zielgruppe passt; das bringt Freude und Erfolg. Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Beständigkeit – das sind Werte, auf die man Aufbauen kann.

 

Mehr Info zu Veronika und ihrem Studio: www.mahashakti-yoga.de